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Lieferanten-Risikomanagement

Risikomanagementsystem

Die Implementierung des Supply Chain Risk Management (SCRM 360) ist 2015 etappenweise erfolgt. Durch den ganzheitlichen Ansatz SCRM 360 reduziert Swisscom künftig die Risiken nicht nur in den Bereichen Umwelt und Soziales, sondern auch hinsichtlich der Finanzen, Sicherheit, Logistik und Qualität. Auf Basis einer individualisierten, gewichteten Scorecard überprüft Swisscom anhand von mehr als 50 Risikoindikatoren laufend externe Datenquellen. Ist ein zuvor festgelegter Schwellenwert bei einem der Top 100-Lieferanten und zahlreichen Vorlieferanten überschritten, erhält die Einkaufsorganisation eine automatische Indikatorennachricht. Die Auswahl der Top 100-Lieferanten erfolgt nach den folgenden Kriterien: Höhe des Einkaufsvolumens, strategische Bedeutung sowie Risiko der Warengruppen.

Swisscom hat 2015 die bestehenden und einige neue Warengruppen aus Sicht der Corporate Responsibility überprüft und neu klassifiziert. Sie hält am bisherigen Risikoraster fest und hat die Liste der Lieferanten aus Warengruppen mit hohem Risiko wiederum kritisch überarbeitet. Von diesen Lieferanten sind bereits alle grösseren Lieferanten auf der e-tasc-Plattform von EcoVadis registriert. Bei potenziellen Lieferpartnern und Ausschreibungen wendet Swisscom weiterhin den implementierten Prozess an. Darüber hinaus ermöglicht die neue Plattform SRN eine erste Einschätzung des Gesamtrisikos eines Lieferanten.

Vorgehen Risikomanagement in der Lieferkette

Swisscom beurteilt nicht alle Lieferpartner auf ihr Risiko hin. Vielmehr nutzt sie ein Filterverfahren und erkennt so frühzeitig das effektive Risikopotenzial eines Lieferpartners. Gleichzeitig will Swisscom die Anzahl der zu beurteilenden Lieferpartner reduzieren.

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Filterverfahren: Vorgehen des Risikomanagements in der Lieferkette

Im ersten Schritt des Filterverfahrens beurteilt Swisscom alle Warengruppen anhand von klar definierten Kriterien auf ihre ökologischen und sozialen Risiken. Dadurch lassen sich die einzelnen Warengruppen den drei Risikoprofilen Gering, Mittel und Hoch zuordnen.

Im zweiten Schritt des Verfahrens ermittelt Swisscom Lieferpartner mit Waren in den hohen und mittleren Risikoprofilen. Sie prüft diese Lieferpartner individuell mithilfe von klar definierten Kriterien auf Risiken. Ebenso bestimmt sie die Risiken potentieller Lieferpartner mit Waren, die einer Warengruppe mit hohen und mittleren Risikoprofilen angehören. Das Ergebnis der Prüfung fliesst in die Entscheidung über eine Zusammenarbeit ein.

Übersicht und Vorgaben des Risikomanagements in der Lieferkette
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Corporate Responsibility-Vertragsbeilage

Im Jahr 2015 sind nahezu 100% des Gesamtbestellvolumens bei Lieferanten angefallen, welche die CR-Vertragsbeilage (CRV) akzeptiert haben. Damit verbleibt der Anteil derjenigen Lieferanten, welche die CRV unterzeichnet haben, stabil auf hohem Niveau.

Selbstdeklarationen/Self-Assessments

Swisscom hat das für 2015 gesetzte Ziel, 120 Lieferanten auf der E-Tasc-Plattform zu bewerten, erfüllt.

Im Rahmen von zwei Kampagnen hat Swisscom 2015 22 Lieferanten neu registriert und bewertet. Von den registrierten Lieferanten haben 23 Lieferanten die Erwartungen hinsichtlich der Corporate Responsibility noch nicht erfüllt. Für sie ist ein Corrective Action Plan (CAP) erstellt worden, der die Verbesserungsmöglichkeiten dokumentiert. Nach 12 bis 24 Monaten wird Swisscom entscheiden, bei welchen Lieferanten eine Neubewertung erforderlich ist.

2015 wurden insgesamt 16 begleitete Re-Assessments durchgeführt. Diese Swisscom Lieferanten haben sich durch entsprechende Korrekturmassnahmen um durchschnittlich 34% verbessert. Verglichen mit allen weltweit erfassten Lieferanten auf der Plattform (mehrere 10‘000) haben die Swisscom Lieferanten 27% besser abgeschnitten.

2016 will Swisscom weitere Schlüssellieferanten, strategische Lieferanten sowie Lieferanten mit hohen und mittleren Risiken auf der Plattform registrieren.

Swisscom hat sich im 2015 ebenfalls einem Re-Assessment unterzogen und dabei «Gold-Level» erreicht.

Audits

Swisscom ist seit einigen Jahren Mitglied der Joint Audit Cooperation (JAC). Im Jahr 2015 hat Swisscom im Rahmen der Zusammenarbeit mit JAC vier Audits durchgeführt(eines wurde verschoben). Die JAC ist ein Zusammenschluss von Tele­kommunikations­unternehmen. Sie prüft, bewertet und fördert die Umsetzung der gesellschaftlichen Verantwortung in den Produktionszentren der wichtigsten multinationalen ICT-Lieferanten. Die Audits vor Ort orientieren sich an folgenden Richtlinien:

  • Vorbereitung: Die Audits beruhen auf Informationen, die im Vorfeld über den zu prüfenden Betrieb einzuholen sind.
  • Geschulte Prüfer: Die Audits werden von internationalen Auditunternehmen durchgeführt. Diese Unternehmen sind auf die besonderen sozialen und umweltpolitischen Umstände im jeweiligen Land spezialisiert.
  • Geheimhaltung: Mit den Lieferanten werden Geheimhaltungsvereinbarungen getroffen. Damit sind die Ergebnisse der Audits nur den JAC-Mitgliedern bekannt.
  • Methodik: Die JAC-Mitglieder erstellen eine Checkliste auf Basis der Standards SA 8000 (unter anderem hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit, Umwelt, Geschäftsethik und Managementsystem) sowie ISO 14001. Zudem werden vor Ort erfolgte Audits mit Gesprächspartnern berücksichtigt.
  • Bericht: Der Bericht enthält die auf objektiven Nachweisen beruhenden Ergebnisse.
  • Zusammenarbeit mit den Lieferanten: Die Zusammenarbeit stützt sich auf das gemeinsame Bewusstsein, dass das CR-Risikomanagement für eine verantwortliche, nachhaltige Entwicklung eine entscheidende Rolle spielt.
  • Zusammenarbeit beziehungsweise Weiterentwicklung der Lieferanten: Auf Grundlage der Ergebnisse des Audits werden mit den Lieferanten Korrekturmassnahmen festgelegt, um Schwachpunkte zu beseitigen. Das jeweilige JAC-Mitglied verfolgt die Umsetzung dieser Massnahmen bis zum vollständigen Erfolg.

In wöchentlichen Telefonkonferenzen legen die JAC-Mitglieder die Auditagenda fest, prüfen Auditberichte und überwachen den Fortschritt der geplanten Korrekturmassnahmen. Diese regelmässigen Konferenzen und der Austausch über Best Practices helfen, die Beurteilung der Corporate Responsibility zu optimieren und die JAC-Initiative effizienter zu gestalten. Viermal im Jahr finden Treffen des JAC-Lenkungsausschusses statt, der aus Vertretern der oberen Führungsebene der jeweiligen CR- und Sourcing-Bereiche besteht. Am Treffen überprüft der Ausschuss die Ergebnisse der Auditkampagne, trifft Entscheidungen zum weiteren Vorgehen und lanciert neue Projekte.

Swisscom hat sich im Rahmen ihrer übergeordneten CR-Strategie 2020 zum Ziel gesetzt, bis 2020 die sozialen Arbeitsbedingungen von zwei Millionen Menschen zu verbessern. Zu diesem Zweck intensiviert sie internationale Kooperationen wie mit der JAC, um die Umsetzung der Massnahmen in enger Zusammenarbeit mit den Lieferanten sicherzustellen.

Auditergebnisse

Insgesamt sind im Netzwerk von JAC 61 Audits bei Lieferanten erfolgt (Vorjahr 38). Diese Audits betreffen Produktionsstätten, die mehrheitlich in China, Taiwan, Indien, Japan, Südkorea und Südamerika angesiedelt sind. Die 2015 durchgeführten Audits haben eine begrenzte Anzahl von Non-Conformities und unterschiedliche Arten von Non-Compliances ergeben. Die Non-Compliances beziehen sich hauptsächlich auf Arbeitszeit, Arbeitssicherheit, Umwelt, Gehalt und Gesundheit/Sicherheit. Darüber hinaus haben die Audits einige Fälle von Diskriminierung und Beschäftigung von Minderjährigen aufgedeckt. Der Zeitraum für die Behebung der Probleme ist abhängig von der Art der Non-Compliance.

Besonders die Behebung von Un­regelmässigkeiten im Rahmen der Arbeitszeit (zum Beispiel die Begrenzung von Regelarbeitszeit und Mehrarbeit) benötigt mehrere Monate, da sie Auswirkungen auf das Personalwesen des betroffenen Unternehmens hat.

Das Netzwerk JAC hat seit 2010 insgesamt 209 Audits in 22 Ländern auf vier Kontinenten durch­geführt. Insgesamt erfassten die Audits über 600’000 Arbeitnehmer und identifizierten 1260 Verfehlungen. Davon sind noch 336 Fälle offen oder noch nicht abgeschlossen.

Die Audits haben die folgende Anzahl an Schwachstellen identifiziert:

Anzahl Schwachstellen   2013   2014   2015
Gesundheit und Sicherheit   62   68   100
Arbeitszeit/Überzeit   52   73   77
Geschäftsethik   31   64   45
Kinder- und Jugendarbeit   10   10   12
Arbeitsentgelt   18   9   34
Umwelt   11   30   44
Zwangsarbeit und Diskriminierung   7   10   13

Von den insgesamt 1260 Schwachstellen sind im Berichtsjahr 2015, 337 veröffentlicht worden. 77 der offenen Fälle stehen im Zusammenhang mit Fragen der Arbeitszeit. 46 dieser 77 Schwachstellen stammen aus den Jahren 2010 bis 2014, 31 aus dem Jahr 2015. 259 identifizierte Schwachstellen verteilen sich auf weitere Kategorien. 92 davon stammen aus den Jahren 2010 bis 2014 und 167 aus 2015. Schwachstellen hinsichtlich Jugendarbeit betreffen Fälle von Überzeit oder Nachtschichten, nicht aber Fälle von Kinderarbeit. Bei beanstandeten Diskriminierungen handelt es sich um die ungenügende Formalisierung von Verträgen, nicht um Zwangs­arbeit. Schwachstellen im Bereich der Umweltthemen betreffen die Lagerung von chem. Produkten und das Fehlen von Umweltberichten,- zielen.

Die einzelnen JAC-Mitglieder behandeln die Schwachstellen laufend. Die erhobenen Daten werden regelmässig aktualisiert und im Lenkungsausschuss diskutiert.

Carbon Disclosure Project – Supply Chain Program

Im Berichtsjahr 2015 hat Swisscom die Kooperation mit dem Carbon Disclosure Project (CDP) weitergeführt. Das CDP ist eine im Jahr 2000 gegründete Nonprofit-Organisation. Sie will Unternehmen dazu bringen, relevante Umweltdaten wie klimaschädliche Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch zu veröffentlichen. Einmal jährlich erhebt das CDP im Namen von Investoren mittels standardisierter Fragebögen und auf freiwilliger Basis bei Unternehmen Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken sowie Reduktionszielen und -strategien. Das CDP verwaltet mittlerweile die weltweit grösste Datenbank ihrer Art. Im Rahmen ihrer Kooperation mit dem CDP hat Swisscom 53 (Vorjahr: 47) ihrer wichtigsten Lieferanten angeschrieben und befragt. Die befragten Lieferanten weisen ein hohes Bestellvolumen oder eine hohe Umweltrelevanz auf. Dank einer Rücklaufquote von 91% (Vorjahr: 85%) ist die Befragung erfolgreich abgeschlossen worden. Im vierten Quartal 2015 hat das CDP die Rückmeldungen analysiert und die teilnehmenden Lieferanten mittels Scoring bewertet. Die Resultate fliessen teilweise in die e-tasc-Plattform von EcoVadis ein und dienen als Grundlage für die ganzheitliche Bewertung der wichtigsten Swisscom Lieferanten.

Im Rahmen der CR-Strategie 2020 verfolgt Swisscom im Bereich des Klimaschutzes ein konkretes Ziel (Ziel 2:1). Da die Lieferkette für den Hauptanteil der Scope 3-Emissionen verantwortlich ist, spielen die CO2-Emissionen in der Lieferkette eine sehr wichtige Rolle. Swisscom möchte daher 2016 konkrete Reduktionsziele mit einzelnen Lieferanten definieren. Indem das CDP die Emissionsdaten der Lieferanten erhebt, erhält Swisscom eine verlässliche Grundlage, um solche Reduktionsziele für das eigene Unternehmen wie die Schlüssellieferanten festzulegen.

Optimierung bei der Auslieferung

Mit dem Projekt OPAL (Optimierung Auslieferung) konnte Swisscom im Berichtjahrs ihre Kosten optimieren und die Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren. Swisscom liefert neu die Mehrheit der Router und TV-Boxen vom gleichen Standort aus, in dem sie konfektioniert werden. Die CO2-­Einsparungen entstehen durch eine reduzierte Anzahl an Fahrten und geringeren Mengen an Transportverpackungen aus Karton und Kunststoff.

GeSi – Engagement

Im Rahmen von GeSi, der Global e-Sustainability Initiative, setzen sich die weltweit führenden ICT-­Anbieter für den nachhaltigen Wandel mittels neuer Technologien ein. Swisscom engagiert sich im Rahmen von GeSi besonders für die faire und nachhaltige Lieferkette, die auf eine Zusammenarbeit auf globaler Basis angewiesen ist. Sie beteiligt sich an zahlreichen CR-Projekten und steuert diese aktiv mit. Hierzu gehören beispielsweise das Sponsoring und die Mitarbeit bei der «Smarter 2030»-Studie; ferner die Entwicklung und Positionierung des «SASF (Sustainability Assessment Standard Framework)» als künftigen Standard für die gesamte ICT-Branche; schliesslich die fortlaufende Weiterentwicklung von e-tasc als übergreifende Plattform, um Selbstassessments und Audits von Lieferanten abzuwickeln.

Siehe unter www.gesi.org

Hauptrisikofaktoren in der Lieferkette

Menschenrechte

Swisscom achtet in besonderem Masse auf die Einhaltung der Menschenrechte in den Bereichen, die im Standard SA 8000 der Social Accountability International (SAI) aufgeführt sind. Diese Bereiche sind Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Gesundheit und Sicherheit, Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen, Diskriminierung, Disziplin, Arbeitszeit sowie Entlöhnung.

Klimarisiken aus CO2-Emissionen

Die Klimaveränderung birgt Risiken, zum Beispiel in Form von intensiveren Niederschlägen und erhöhten Durchschnittstemperaturen sowie extremen Wetterereignissen. Diese Risiken könnten die Herstellung von Telekommunikationsprodukten und Netzausrüstungen sowie deren Transport in die Schweiz gefährden und damit die Marktchancen sowie den Betrieb von Swisscom beeinträchtigen. Das Treibhausgas-Inventar von Swisscom zeigt, dass der grösste Anteil der CO2-Emissionen auf die Lieferkette fällt. Swisscom hat diesen Sachverhalt in ihrem strategischen Schwerpunkt Klimaschutz berücksichtigt.

Rohstoffe

Die Rohstoffe, die in unterschiedlichen Swisscom Produkten stecken, stammen aus einer Vielzahl von Ländern und Regionen. Immer öfter ergeben sich Fragen zur Herkunft der verwendeten Rohstoffe und ebenso zu den damit verbundenen ökologischen und sozialen Risiken. Swisscom setzt sich mit dem Thema der Rohstoffe auseinander und hat in den vergangenen zwei Jahren die folgenden Massnahmen ergriffen:

  • Januar 2012: Swisscom wird über die Mitgliedschaft in der Global e-Sustainability Initiative (GeSI) Mitglied bei der World Resources Forum (WRF) Association.
  • März 2012: Gründungsversammlung der WRF Association; Swisscom vertritt GeSI bei den Zusammenkünften der WRF Association.
  • März/Oktober 2013: Teilnahme an der Generalversammlung der WRF Association in St. Gallen und des WRF in Davos.
  • Oktober 2013: Dialog mit der NGO «Brot für alle» und Beitrag zum Symposium «High Tech – No Rights» in Bern.
  • 2014/15: Vorabklärungen zu einer Beteiligung bei Fairphone. Eine Beteiligung ist parallel zum Aufkommen der zweiten Generation von Endgeräten Anfang 2016 geplant.
Korruption

Swisscom bekennt sich in den internen Vorgaben zu einer Zero-Tolerance hinsichtlich Korruption. Diese Vorgaben werden durch regelmässige Schulungen, Prüfungen und Audits konzernweit durchgesetzt. Zudem werden die Lieferanten aufgefordert, sich ebenfalls zur Einhaltung der Vorgaben zu verpflichten. Von den eigenen Mitarbeitenden wie auch von allen Lieferanten wird erwartet, dass unzulässige Vorteile weder gewährt noch angenommen werden. Widerhandlungen können bei den eigenen Mitarbeitenden zu disziplinarischen Massnahmen bis hin zur Entlassung führen. Hat ein Lieferant nachweislich gegen Anti-Korruptionsgesetze verstossen, kann er ermahnt und als ultima ratio von der Lieferkette ausgeschlossen werden.

Siehe unter www.worldresources​forum.org

Ratings Lieferkette

Mit einem Score von 93 auf 100 in der Lieferkette-Ratings im Rating von Dow Jones Sustainability und mit 98A bei CDP ist Swisscom bei der Top-Telekomgesellschaften positioniert.